VERERBUNG BEI JAPANISCHEN MÖVCHEN

Wer Japanische Mövchen gezielt züchten möchte, sollte sich mit den Grundlagen der Vererbung beschäftigen. Das sichtbare Erscheinungsbild eines Vogels zeigt nämlich nicht immer alle genetischen Eigenschaften, die er an seine Nachkommen weitergeben kann.

Abhängig vom jeweiligen Merkmal können unterschiedliche Erbgänge eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem dominante, rezessive und geschlechtsgebundene Vererbungsformen.

Auf dieser Seite möchte ich anhand konkreter Paarungsbeispiele zeigen, welche Nachkommen bei verschiedenen Verpaarungen möglich sind und welche Bedeutung spalterbige Vögel für die weitere Zucht haben.

Die Beispiele sollen dabei helfen, Zuchtpaarungen besser zu verstehen und mögliche Ergebnisse bereits vor der Zusammenstellung eines Zuchtpaares einzuschätzen.

REZESSIVE VERERBUNG

Bei einem rezessiv vererbten Merkmal muss die entsprechende genetische Anlage von beiden Elternteilen weitergegeben werden, damit das Merkmal bei einem Jungvogel sichtbar wird.

Ein Vogel kann die Anlage für ein rezessives Merkmal besitzen, ohne dieses äußerlich zu zeigen. Ein solcher Vogel wird als spalterbig bezeichnet.

Werden zwei spalterbige Vögel miteinander verpaart, können sowohl normal aussehende Jungvögel als auch Jungvögel entstehen, bei denen das rezessive Merkmal sichtbar wird.

Deshalb ist die Kenntnis der Abstammung besonders wichtig. Zwei äußerlich gleich aussehende Vögel können genetisch unterschiedliche Anlagen besitzen und entsprechend unterschiedliche Nachzuchten hervorbringen.

BEISPIEL: PASTELL

Der Farbschlag Pastell vererbt rezessiv. Damit ein Japanisches Mövchen Pastell sichtbar zeigt, muss es die entsprechende Anlage von beiden Elternteilen erhalten.

Vögel, die nur eine Anlage für Pastell besitzen, zeigen den Farbschlag äußerlich nicht. Sie können die Anlage jedoch an ihre Nachkommen weitergeben und werden als spalterbig in Pastell bezeichnet.

SCHREIBWEISE DER VERERBUNGSBEISPIELE

In den folgenden Vererbungsbeispielen kennzeichnet ein Schrägstrich (/) eine Spalterbigkeit.

Normal/Pastell bedeutet beispielsweise, dass der Vogel äußerlich normal gefärbt ist, aber die Anlage für Pastell trägt und diese an seine Nachkommen weitergeben kann.

PAARUNGSBEISPIELE – PASTELL

Normal/Pastell × Normal/Pastell
→ 25 % Normal
→ 50 % Normal/Pastell
→ 25 % Pastell

Pastell × Normal
→ 100 % Normal/Pastell

Pastell × Normal/Pastell
→ 50 % Pastell
→ 50 % Normal/Pastell

Pastell × Pastell
→ 100 % Pastell

 

Die angegebenen Prozentwerte zeigen, welche Verteilung der Nachkommen bei dieser Verpaarung zu erwarten ist. Die tatsächliche Verteilung kann bei einzelnen Bruten davon abweichen.

 

 

FALBE – GESCHLECHTSGEBUNDENE VERERBUNG

Der Farbschlag Falbe vererbt beim Japanischen Mövchen geschlechtsgebunden. Im Gegensatz zu einem autosomal rezessiven Erbgang spielt deshalb das Geschlecht der Zuchtvögel bei der Berechnung der möglichen Nachkommen eine entscheidende Rolle.

Bei einer geschlechtsgebundenen Vererbung können Hähne spalterbig in Falbe sein, ohne den Farbschlag äußerlich zu zeigen. Sie tragen die entsprechende Anlage und können diese an ihre Nachkommen weitergeben.

Hennen können dagegen nicht spalterbig in Falbe sein. Sie zeigen die Anlage entweder sichtbar als Falbe oder besitzen sie nicht.

Aus diesem Grund macht es bei Falbe einen Unterschied, ob beispielsweise ein Falbenhahn mit einer normalen Henne oder ein normaler Hahn mit einer Falbenhenne verpaart wird.

Die folgenden Vererbungsbeispiele zeigen die möglichen Ergebnisse verschiedener Falbe-Verpaarungen getrennt nach Hähnen und Hennen.

SCHREIBWEISE

Normal/Falbe bezeichnet einen äußerlich normal gefärbten Hahn, der spalterbig in Falbe ist.

Bei Hennen wird diese Schreibweise nicht verwendet, da sie bei diesem Erbgang nicht spalterbig in Falbe sein können.

PAARUNGSBEISPIELE – FALBE

 

Falbe Hahn × Normal Henne

→ 100 % Hennen Falbe
→ 100 % Hähne Normal/Falbe

Normal Hahn × Falbe Henne

→ 100 % Hennen Normal
→ 100 % Hähne Normal/Falbe

Normal/Falbe Hahn × Normal Henne

→ 50 % Hennen Falbe
→ 50 % Hennen Normal
→ 50 % Hähne Normal/Falbe
→ 50 % Hähne Normal

Normal/Falbe Hahn × Falbe Henne

→ 50 % Hennen Falbe
→ 50 % Hennen Normal
→ 50 % Hähne Falbe
→ 50 % Hähne Normal/Falbe

Falbe Hahn × Falbe Henne

→ 100 % Falbe

BESONDERHEIT DER HAUBENVERERBUNG

Die Haube wird beim Japanischen Mövchen dominant vererbt. Ein Haubenvogel besitzt in der Regel einen Haubenfaktor (H/+), während ein Glattkopf keinen Haubenfaktor (+/+) besitzt.

Bei der Verpaarung zweier Haubenvögel kann theoretisch die doppelfaktorige Kombination H/H entstehen. Diese ist mit einem Letalfaktor verbunden und nicht lebensfähig.

Aus Gründen des Tierschutzes werden deshalb Haubenvögel nicht miteinander verpaart. In meiner Zucht erfolgt die Verpaarung eines Haubenvogels grundsätzlich mit einem Glattkopf.

Bei Haube × Glattkopf sind im Durchschnitt 50 % Hauben und 50 % Glattköpfe zu erwarten.

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